Es ist ein ruhiger Morgen am Rand des Hegaus. Nebel liegt über den Feldern bei Singen, der Hohentwiel zeichnet sich dunkel am Horizont ab. Alles wirkt friedlich. Und doch verbirgt diese Landschaft eine explosive Vergangenheit – und eine Frage, die immer wieder gestellt wird: Sind die Vulkane des Hegaus wirklich für immer erloschen?

Ein Landstrich aus Feuer geboren

Der Hegau ist eine der markantesten Vulkanlandschaften Deutschlands. Die bekannten Kegelberge wie der Hohentwiel und der Hohenkrähen sind Überreste eines Vulkanfeldes, das vor rund 14 bis 7 Millionen Jahren aktiv war. Damals schossen Lava, Asche und Gase aus dem Untergrund – dort, wo heute Wanderwege, Weinberge und Dörfer liegen. Die Vulkane selbst sind längst abgetragen. Übrig geblieben sind die harten Schlotfüllungen aus Basalt und Phonolith, die heute wie steinerne Zeugen aus der Landschaft ragen.

Das Szenario: Was wäre, wenn es wieder losgeht?

Ein realistisches Szenario – so, wie Geologen es heute beschreiben – sähe nicht aus wie ein apokalyptischer Hollywood-Ausbruch. Kein riesiger Feuerberg, kein Lavastrom bis an den Bodensee. Stattdessen würde es, falls überhaupt, so beginnen:

  • leichte Erdbeben, kaum spürbar, aber messbar
  • aufsteigende Gase (z. B. CO₂) in einzelnen Bodenbereichen
  • Hebungen des Untergrunds um wenige Millimeter

Sollte sich tatsächlich neues Magma aus dem Erdmantel nach oben bewegen, wäre eher mit kleinen, lokalen Ausbrüchen zu rechnen: Maare oder Schlackenkegel, ähnlich wie in der Eifel. Solche Ereignisse würden sich über Wochen bis Monate ankündigen, nicht plötzlich über Nacht.

Wann könnte das passieren?

Die ehrliche Antwort der Wissenschaft lautet: Sehr wahrscheinlich gar nicht, zumindest nicht in menschlichen Zeiträumen. Der Hegau gilt heute als geologisch inaktiv. Es gibt: keine aktuellen Magmakammern keine vulkanischen Gase in relevanten Mengen keine typischen Tiefenerdbeben, die auf aufsteigendes Magma hindeuten Geologisch gesehen bedeutet „inaktiv“ aber nicht „unmöglich“. Vulkansysteme können nach Millionen Jahren theoretisch wieder aktiv werden – doch die Wahrscheinlichkeit liegt extrem niedrig. Wenn überhaupt, sprechen wir von Zehntausenden bis Hunderttausenden Jahren.

Warum die Landschaft trotzdem „lebendig“ bleibt

Auch ohne Feuer und Lava wirkt der vulkanische Ursprung bis heute:

  • fruchtbare Böden rund um Friedingen
  • besondere Flora auf Basalt- und Phonolithgestein
  • markante Hügel, die das Mikroklima prägen

Was heute wie eine sanfte Kulturlandschaft wirkt, ist das Ergebnis gewaltiger Kräfte aus der Tiefe der Erde.

Zwischen Faszination und Realität

Die Vorstellung eines erneuten Ausbruchs übt eine starke Faszination aus, gerade, weil sie so unwahrscheinlich ist. Der Hegau erinnert uns daran, dass Landschaft nichts Starres ist, sondern ein Momentzustand in der langen Geschichte unseres Planeten.

Für Friedingen bedeutet das: keine akute Gefahr, aber eine außergewöhnliche geologische Geschichte direkt vor der Haustür. Und vielleicht ist genau das der wahre Zauber dieser Region: Zu wissen, dass unter unseren Füßen einst Feuer floss und die Erde hier schon ganz andere Kapitel geschrieben hat.

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